Während der Künstler bisher direkt am Material arbeitete (wenigstens in der Regel) und deswegen eine ständige sinnliche Kontrolle die Datenverarbeitung seines Gehirns begleitete, wird bei der Verwendung von Maschinen eine Schicht zwischen sinnliche Wahrnehmung und Datenverarbeitung geschoben. Der Künstler entfernt sich vom Sinnlich-Stofflichen und wird so als einer der letzten Arbeiter von der Entfremdung in der Arbeitswelt eingeholt. Man versucht, diesem Trend durch Verwendung interaktiver Ein- und Ausgabegeräte zu begegnen (Bildschirme). Dies ist jedoch für den ans Handwerkliche Gewöhnten nur ein Notbehelf. Denn zumindest gehen ihm die taktilen Erfahrungen verloren. Mann sollte sich wegen dieser Entfremdungsgefahr also vor allzu begeisterter Aufnahme ästhetischer Datenverarbeitung hüten. Für Produzenten, die keine handwerkliche Erfahrung haben, mag die Automatisierung frei von solchen Einflüssen sein. Denn sie können nicht von etwas entfremdet werden, das sie gar nicht kennen. Das zu verallgemeinern scheint ein kluger Schachzug der Technokraten zu sein.
Frieder Nake: Ästhetik als Informationsverarbeitung.Grundlagen und Anwendungen der Informatik im Bereich ästhetischer Produktion und Kritik. (Vienna/New York: Springer Verlag, 1974), p.32.